
Saisonmarketing für Hotels: Wenn die Saison beginnt, sollte das Marketing längst laufen
Im Oktober Herbsturlaub bewerben, im Dezember Weihnachten und im Frühjahr die ersten Sommerthemen aufgreifen? Auf den ersten Blick klingt das logisch. Aus Marketingsicht ist diese Planung aber häufig zu nah am tatsächlichen Aufenthaltszeitraum. Denn während du überlegst, welche Herbstkampagne jetzt starten soll, haben einige potenzielle Gäste ihre Reise längst recherchiert, verglichen oder sogar gebucht.
Für Hotels ist deshalb weniger entscheidend, wann eine Saison beginnt, sondern wann die Nachfrage dafür entsteht. Genau daran sollte sich dein Marketing orientieren.
Die eigentliche Saison beginnt lange vor der Anreise
Ein Gast, der im Herbst bei dir übernachtet, beginnt seine Reise nicht mit dem Check-in. Auch aus Marketingsicht startet diese Reise deutlich früher.
Dabei lassen sich drei Zeitpunkte unterscheiden: die erste Beschäftigung mit der Reise, die eigentliche Buchung und der spätere Aufenthalt.
In der Recherchephase ist häufig noch vieles offen. Vielleicht steht zunächst nur fest, dass ein paar Tage Erholung geplant sind. Dann werden Destinationen angesehen, Preise verglichen, Hotels gespeichert, Aktivitäten geprüft oder mögliche Reisetermine abgestimmt. Gerade bei Ferien, Feiertagen, Familienreisen, längeren Aufenthalten oder besonderen Veranstaltungen kann diese Phase vergleichsweise früh beginnen.
Erst später fällt die verbindliche Buchungsentscheidung.
Und noch später kommt der Gast tatsächlich ins Hotel.
Für dein Marketing ist diese Unterscheidung wichtig. Denn wenn dein Hotel erst sichtbar wird, sobald jemand unmittelbar buchen möchte, steigst du relativ spät in den Entscheidungsprozess ein. Andere Hotels, Destinationen oder Reiseideen sind dann möglicherweise bereits im Kopf.
Das bedeutet nicht, dass jedes Hotel möglichst früh möglichst viel Werbung schalten sollte.
Es bedeutet vielmehr: Du solltest wissen, wann deine Gäste anfangen, sich mit einem bestimmten Aufenthaltszeitraum zu beschäftigen.
Genau deshalb funktionieren pauschale Aussagen wie „Saisonkampagnen müssen immer mehrere Monate vorher starten“ aus unserer Sicht nicht. Ein Wellnesshotel kann ein anderes Buchungsverhalten haben als ein Familienhotel. Ein Ferienziel funktioniert anders als ein Stadthotel. Auch Herkunftsmärkte, Aufenthaltsdauer, Preisniveau, Schulferien und Veranstaltungen verändern den Buchungsvorlauf.
Entscheidend sind deine eigenen Gäste.
Plane nicht vom heutigen Datum aus, sondern vom gewünschten Aufenthalt
In vielen Marketingplänen steht sinngemäß: Im Oktober machen wir Herbst, danach Weihnachten, anschließend Winter.
Das ist eher ein Redaktionskalender als eine belastbare Marketingplanung.
Wir würden die Frage anders stellen:
Welche Aufenthaltszeiträume wollen wir beeinflussen – und was muss dafür vorher bereits passiert sein?
Angenommen, du möchtest einen bestimmten Zeitraum im Oktober besser auslasten. Dann ist nicht der Oktober der Startpunkt der Planung. Relevant wird zunächst, wann Buchungen für diesen Zeitraum normalerweise eingehen und wann die Nachfrage davor sichtbar wird.
Von dort aus lässt sich zurückdenken.
Wann müssen Zimmer und Angebote buchbar sein? Ist die passende Seite auf der Website aktuell? Sind Leistungen und Konditionen eindeutig? Gibt es überhaupt Bilder, mit denen sich der Aufenthalt überzeugend vermitteln lässt? Wann lohnt es sich, ehemalige Gäste per Newsletter anzusprechen? Und ab welchem Punkt können bezahlte Kampagnen zusätzliche Nachfrage sinnvoll unterstützen?
Aus einem simplen „Herbstkampagne im Oktober“ wird damit eine Planung entlang des tatsächlichen Buchungsverhaltens.
Das ist ein kleiner Unterschied in der Denkweise – aber ein großer Unterschied für die Praxis.
SEO, Newsletter, Social Media und Ads haben nicht denselben Takt
Ein häufiger Fehler besteht darin, eine saisonale Kampagne wie einen gemeinsamen Startschuss zu behandeln: Landingpage aktualisieren, Newsletter verschicken, Instagram-Post veröffentlichen und Google Ads einschalten – möglichst alles gleichzeitig.
Die Kanäle funktionieren aber unterschiedlich.
Bei SEO sollte relevanter saisonaler Content bereits vorhanden sein, wenn die entsprechende Suche zunimmt. Neue und überarbeitete Seiten müssen zunächst veröffentlicht, gefunden, eingeordnet und über die Website sinnvoll eingebunden werden. Wie viel Vorlauf dafür notwendig ist, lässt sich nicht pauschal festlegen.
Gerade deshalb lohnt es sich bei wiederkehrenden Themen häufig, bestehende Seiten weiterzuentwickeln, statt jedes Jahr eine neue URL anzulegen. Eine gute Seite zum Herbsturlaub kann auch im nächsten Jahr wieder relevant sein, wenn Inhalte, Termine und Angebote gepflegt werden.
Newsletter funktionieren wiederum anders. Hier kannst du gezielt Gäste erreichen, die bereits Kontakt mit deinem Hotel hatten. Die entscheidende Frage lautet dann nicht nur „Wann verschicken wir?“, sondern auch: Für wen ist das Thema überhaupt relevant? Ein Familienangebot muss nicht zwangsläufig an dieselbe Zielgruppe gehen wie ein Wellnessaufenthalt zu zweit.
Auch Social Media kann deutlich vor der eigentlichen Saison wirken. Nicht nur als Verkaufskanal, sondern als Inspirationsfläche. Die ersten herbstlichen Eindrücke, Wandermöglichkeiten, Veranstaltungen oder ein saisonales Arrangement können mehrmals und aus verschiedenen Blickwinkeln aufgegriffen werden, anstatt das Thema mit einem einzelnen Post abzuhaken.
Google Ads und Social Ads lassen sich vergleichsweise flexibel anpassen. Genau das macht sie wertvoll. Aber diese Flexibilität darf nicht mit fehlender Vorbereitung verwechselt werden. Eine Anzeige ist schnell aktiviert. Ein überzeugendes Angebot, eine gute Zielseite, passende Werbemittel und funktionierendes Tracking entstehen nicht automatisch mit.
Gute Saisonplanung bewirbt nicht automatisch die beliebtesten Zeiträume
Noch ein Punkt, der in klassischen Marketingkalendern schnell untergeht: Nicht jeder attraktive Reisezeitraum braucht zusätzliches Marketingbudget.
Wenn bestimmte Wochenenden ohnehin sehr gut gebucht sind, bringt dir eine breit ausgespielte Kampagne für genau diese Termine möglicherweise wenig.
Die interessantere Frage lautet:
Wo brauchst du tatsächlich zusätzliche Nachfrage?
Vielleicht sind die Wochenenden im Oktober gut ausgelastet, aber Sonntag bis Donnerstag bleiben Zimmer frei. Vielleicht läuft der Herbst insgesamt ordentlich, während sich im November eine Lücke abzeichnet. Oder eine bestimmte Zimmerkategorie verkauft sich schlechter als andere.
Dann sollte das Marketing genau dort ansetzen.
Aus unserer Erfahrung ist das ein wesentlicher Unterschied zwischen einem Contentplan und echter Hotelmarketing-Steuerung. Es geht nicht darum, möglichst viel Reichweite für ein saisonal hübsches Thema zu erzeugen. Es geht darum, Nachfrage so zu lenken, dass sie zur tatsächlichen Buchungssituation passt.
Das gilt auch für Veranstaltungen. Ein großes Konzert, eine Messe, ein Weihnachtsmarkt oder ein Sportevent kann lange vor dem Veranstaltungstag Nachfrage auslösen. Sind solche Termine bekannt, sollten sie deshalb nicht erst dann im Marketing auftauchen, wenn in der Stadt bereits die ersten Plakate hängen.
Ein guter Marketingkalender muss sich verändern dürfen
Auch die beste Planung darf nicht starr sein.
Wenn sich ein Zeitraum anders entwickelt als erwartet, muss das Marketing reagieren können. Genau dafür sollten Buchungslage, Nachfrage und Kampagnendaten regelmäßig gemeinsam betrachtet werden.
Das kann bedeuten, Budget zwischen Zeiträumen zu verschieben, ein Angebot stärker hervorzuheben, eine Zielseite anzupassen oder bestimmte Zielgruppen intensiver anzusprechen. Manchmal ist aber auch die richtige Entscheidung, eine Kampagne zurückzufahren, weil der entsprechende Zeitraum inzwischen ausreichend gebucht ist.
Hilfreich sind dabei unter anderem Daten aus PMS und Buchungsmaschine sowie Erkenntnisse aus Analytics, Google Search Console, Google Ads, Newsletter-Auswertungen und vergangenen Kampagnen. Nicht jedes Hotel verfügt über eine perfekte Datenbasis. Aber selbst dann sind die eigenen Erfahrungswerte meist wertvoller als irgendeine allgemeine Empfehlung darüber, wann eine Saisonkampagne „normalerweise“ starten sollte.
Und Saisonplanung hat noch eine Ebene, die schnell vergessen wird: die Produktion.
Gute Winterbilder entstehen nun einmal im Winter. Herbstlaub lässt sich nicht im Frühjahr nachholen. Ein authentisch dekoriertes Hotel zur Weihnachtszeit kannst du nicht fotografieren, wenn dir erst im Sommer auffällt, dass entsprechendes Material fehlt.
Deshalb lohnt es sich, bereits während der aktuellen Saison an die nächste zu denken. Welche Fotos fehlen? Welche Videos wären für die nächste Kampagne hilfreich? Welche Veranstaltung sollte diesmal dokumentiert werden?
Eine gute Marketingplanung schaut damit gleichzeitig nach vorne und zurück.
Der richtige Zeitpunkt steht nicht im Kalender – sondern in deinen Daten
Der entscheidende Gedanke ist einfach: Wenn die Saison beginnt, sollte das Marketing für relevante Nachfrage längst vorbereitet sein.
Wann genau du starten solltest, lässt sich trotzdem nicht mit einer pauschalen Vorlaufzeit beantworten. Dafür unterscheiden sich Hotels, Destinationen, Zielgruppen und Buchungsverhalten zu stark.
Ein sinnvoller Hotelmarketing-Kalender verbindet deshalb mehr als Veröffentlichungsdaten für Blog, Social Media und Newsletter. Er bringt Buchungslage, Angebot, Website, SEO, Paid Media, CRM, Contentproduktion und tatsächliche Nachfrage zusammen.
Und genau hier wird die Planung anspruchsvoll: Unterschiedliche Kanäle haben unterschiedliche Vorläufe, Nachfrage verändert sich und gleichzeitig soll Budget nicht dort eingesetzt werden, wo du ohnehin schon gut ausgelastet bist.
Wir betrachten saisonale Hotelkampagnen deshalb nicht isoliert nach Kanälen, sondern ausgehend vom gewünschten Aufenthaltszeitraum und der tatsächlichen Buchungssituation. Wenn du deinen Marketingkalender künftig genauso aufbauen möchtest, unterstützen wir dich gern dabei, daraus eine belastbare Planung für dein Hotel zu entwickeln.
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