Ein Weckruf für die Hotelbranche? Der Amazon/Perplexity-Streit und die Zukunft des GEO-Marketings

Ein Weckruf für die Hotelbranche: Der Amazon/Perplexity-Streit und die Zukunft des GEO bzw. Online-Marketings für Hotels

Mit 2o Jahren Erfahrung im Online-Marketing für Hotels verfolge ich die aktuellen Entwicklungen im KI-Bereich natürlich mit größtem Interesse – und manchmal auch mit einer gewissen Sorge, wo die Reise da hingehen wird. Der aktuell eskalierende Streit zwischen Amazon und Perplexity ist ein klares Zeichen dafür, dass wir an der Schwelle zu einer völlig neuen Ära des digitalen Konsums stehen.

Der Kern des Konflikts: KI-Agenten, die selbstständig und im Hintergrund Einkäufe tätigen oder Informationen aggregieren, ohne dass der Nutzer die Ursprungsplattform (wie Amazon oder zukünftig vielleicht auch Booking.com) direkt besucht. Perplexity wird vorgeworfen, Inhalte von Amazon zu nutzen, ohne die Plattform selbst zu besuchen, was zu einem „geheimen KI-Kauf“ führt.

Aktuell befinden wir uns grösstenteils noch in einer Zwischenphase: OPEN AI z.B. bindet bei Chat-GPT bei Ergebnissen zu Hotelsuchen sehr explizit und prominent die Links zu booking.com und Expedia ein (vermutlich über Provisionsbeteiligung als Affiliate), eine direkte Buchung über Chat-GPT ist aktuell noch nicht möglich. So profitieren die Portale natürlich von sehr guten Klicks und haben den Rest der Customer Journey (noch) in der eigenen Hand.

Was bedeutet das für uns in der Hotelbranche?

Stellt Euch vor, ein KI-Agent bucht für einen Reisenden ein Hotelzimmer – basierend auf Präferenzen, Preisen und Verfügbarkeiten, aber ohne dass der Gast jemals auf die Website von Booking.com, Expedia oder sogar direkt auf die Hotelwebsite geklickt hat. Der KI-Agent könnte die Informationen von verschiedenen Quellen ziehen, vergleichen und die Buchung eigenständig abschließen.

Die Herausforderungen und Chancen – besonders für Einzelhotels:

 

  1. Sichtbarkeit neu definieren

    Unsere bisherigen SEO- und SEM-Strategien basieren stark darauf, Nutzer auf unsere Websites zu ziehen. Wenn KI-Agenten diese Rolle übernehmen, müssen wir Wege finden, wie unsere Hotels von diesen Agenten „gefunden“ und als relevant eingestuft werden. Es geht nicht mehr nur um Klicks, sondern um die Optimierung für KI-Interpretationen. Wir nennen das GEO für Hotels.

  2. Direktbuchungen erstmal unter Druck – und dann mit neuer Chance

    Das Mantra der Direktbuchungen könnte eine neue Dimension erhalten. Wenn Plattformen wie Booking.com oder Expedia möglicherweise versuchen, KI-Agenten auszuschließen, um die Kontrolle über die Customer Journey und ihre Art der Provisionsoptimierung nicht zu verlieren, könnte dies eine riesige Chance für Einzelhotels sein. Wenn die großen OTAs ihre Tore für autonome KI-Agenten verschließen, könnten diese Agenten verstärkt direkt bei Hotels suchen, die ihre Daten offen und KI-freundlich präsentieren. Dies könnte den direkten Kanal stärken und uns helfen, die Abhängigkeit von hohen Provisionszahlungen zu reduzieren. Zu Beginn solcher Phasen profitieren aber die grossen OTAs, da sie als Aggregator einfacher Ihre Daten zur Verfügung stellen können, als wenn jedes Einzelhotel angebunden werden muss.

  3. Datenhoheit und Personalisierung

    KI-Agenten werden enorme Mengen an Daten verarbeiten. Es ist entscheidend, wie wir unsere Hotelinformationen strukturieren und bereitstellen, damit diese Agenten die Einzigartigkeit und die Angebote unseres Hotels optimal verstehen und präsentieren können. Personalisierung in Form von: „Welche Informationen benötigt der aktuell Suchende?“ wird noch wichtiger, muss aber auf einem neuen Level der Datenbereitstellung stattfinden. Dies erfordert von uns, unsere eigenen Daten sauber, gut strukturiert und zugänglich zu halten.

  4. Der „unsichtbare“ Wettbewerb

    Wenn KI-Agenten agieren, wird der Wettbewerb noch undurchsichtiger. Welche Kriterien nutzen diese Agenten zur Auswahl? Wie können wir sicherstellen, dass unser Hotel nicht einfach übergangen wird, weil es in einem undurchsichtigen Algorithmus schlechter platziert ist? Hier müssen wir proaktiv werden und verstehen, wie KI „denkt“. Das ist ein Lernprozeß, für den man offen sein muss und der auch viel Anpassungsbereitschaft benötigen wird.

Der Streit zwischen Amazon und Perplexity ist nicht nur ein Tech-Clash; er ist ein Vorbote für die disruptiven Veränderungen, die uns alle erwarten. Es ist an der Zeit, dass wir als Hotelbranche über die traditionellen Online-Marketing-Grenzen hinausdenken und uns fragen: Wie positionieren wir uns in einer Welt, in der Maschinen für Menschen einkaufen und buchen?

Gerade für unabhängige Hotels könnte dies aber auch eine unerwartete Möglichkeit werden, sich von den großen Plattformen zu emanzipieren, wenn diese beginnen, sich zur Zementierung Ihrer aktuell bereits dominaten Marktposition bewusst abzuschotten.

Das könnte auch zu ganz neuen Playern am Markt führen, die sich auf die direkte KI-Distribution zwischen Gast – KI Agent und Leistungsträger, hier das Hotel, spezialisieren und gar keine eigene Website mehr dazwischen schalten. Und das könnte sogar zu sinkenden Distributionskosten führen.

Autor:
Dominik Sobotka, Gründer und Inhaber von onmari.com

Quellen:

https://www.wallstreet-online.de/nachricht/20120246-machtkampf-ki-zeitalter-geheime-ki-kaeufe-amazon-eskaliert-streit

https://www.tageskarte.io/hotellerie/detail/chatgpt-wird-zur-buchungsplattform-expedia-und-bookingcom-fuehren-apps-im-chatbot-ein.html

Bildnachweis: Gemini by Google

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