Sam Altmans ‚last resort‘: Warum wir bald (fast) alle Werbung in ChatGPT sehen

OPEN AI testet „GEA“ für Chat-GPT Werbemodelle in den USA und Japan.

Warum ChatGPT jetzt Anzeigen schaltet und was das für uns und die anderen KI Suchen wie Gemini bedeutet

OpenAI hat vor wenigen Tagen (Mitte Januar 2026) offiziell bestätigt, dass sie eine (aufgrund der Kosten vorhersehbaren) strategische Wende vollziehen und Werbung in ChatGPT einführen. Aktuell handelt es sich um Tests in den USA und Japan, die globale Einführung von ChatGPT Go aber läuft bereits und wird uns daher wohl auch bald in Europa errreichen.

 

Welche Nutzer sind von Werbung „betroffen“?

Die Werbung wird nicht für alle Nutzer geschaltet. OpenAI führt sie in zwei Stufen ein:

  • Free-Nutzer: Die kostenlose Version erhält Anzeigen, um die enormen Betriebskosten (milliardenschwere Verluste) zu decken.
  • ChatGPT Go: Dies ist ein neuer, günstigerer Abo-Tarif (ca. 8 $ bzw. 1.500 Yen), der zwar mehr Funktionen als die Gratis-Version bietet, aber ebenfalls Werbung enthält.
  • Ad-Free: Die Tarife Plus (20 $), Pro und Enterprise bleiben weiterhin komplett werbefrei.

 

Wo wird aktuell getestet?

  • USA: Hier hat der Test für eingeloggte Erwachsene bereits begonnen oder steht unmittelbar bevor.
  • Japan: Auch hier wird das Modell (insbesondere mit dem „Go“-Tarif) bereits ausgerollt bzw. intensiv vorbereitet.
  • Europa/Deutschland: Hier ist man aufgrund der strengeren Datenschutzregeln (DSGVO) noch vorsichtiger, es ist aber damit zu rechnen, dass das Modell nach den Tests in Übersee auch zu uns kommt.

 

Warum macht OpenAI das?

Trotz Milliardenumsätzen macht OpenAI durch die gewaltigen Rechenkosten für Modelle wie GPT-5 und die Infrastruktur („Stargate“) weiterhin hohe Verluste.

  • Da nur ca. 5 % der Nutzer zahlen, soll die Werbung nun die restlichen 95 % der Nutzer „querfinanzieren“.
  • Zusammenfassend: Der „werbefreie Safe Space“ ChatGPT bröckelt gerade. Für Gratis-Nutzer wird Werbung in den USA und Japan zur neuen Realität.

 

Über welchen Weg wird man dort Werbung schalten können?

Durch die Nähe zu Microsoft wird MS Ads hier sicher eine zentrale Rpööe einnehmen. OpenAI geht hier aber wohl einen hybriden Weg. Es gibt kein einfaches „Entweder-oder“, sondern eine Aufteilung der Verantwortlichkeiten:

Die technische Steuerung: Eigenes Interface von OpenAI

  • OpenAI baut für ChatGPT eine eigene Werbe-Infrastruktur auf.
  • Kein reiner Microsoft-Import: Es ist nicht so, dass einfach die Werbung aus dem Bing-Netzwerk 1:1 in ChatGPT gespiegelt wird. OpenAI legt großen Wert darauf, dass die Anzeigen „KI-nativ“ sind.
  • Kontext-Analyse: Das System von OpenAI analysiert den aktuellen Chat-Verlauf (den „Intent“), um passende Empfehlungen zu generieren.
  • Direkte Interaktion: Tests zeigen, dass Nutzer im Chat sogar Rückfragen zu einer Anzeige stellen können (z. B. „Gibt es diese Schuhe auch in Größe 44?“), ohne den Chat verlassen zu müssen. Das erfordert eine tiefe Integration, die über klassische Microsoft-Ads-Schnittstellen hinausgeht.

Die Vermarktung: Microsoft als mächtiger Partner

Obwohl die Technik im ChatGPT-Interface von OpenAI stammt, spielt Microsoft Advertising im Hintergrund eine entscheidende Rolle:

  • Inventar-Zugang: Werbetreibende, die bereits Microsoft Ads nutzen, erhalten bevorzugten Zugriff auf das ChatGPT-Inventar.
  • Vertriebspower: Microsoft übernimmt den Großteil des globalen Anzeigenverkaufs und nutzt seine bestehenden Kundenbeziehungen, um Marken in das OpenAI-Ökosystem zu bringen.
  • Kombi-Pakete: Für Marketer wird es wahrscheinlich so aussehen, dass sie in ihrem vertrauten Microsoft Ads Dashboard ein Häkchen setzen können, um ihre Kampagnen auch auf „Partner-KI-Plattformen“ (wie ChatGPT) auszuspielen

Der Unterschied zu Microsoft Copilot

Es ist wichtig, ChatGPT hier von Microsoft Copilot zu unterscheiden:

  • Copilot (Bing): Hier ist die Werbung bereits tief in die Microsoft-Ads-Suche integriert. Sie wirkt oft wie eine klassische Suchanzeige in Textform.
  • ChatGPT: Die Anzeigen hier sollen sich eher wie „Sponsored Recommendations“ (gesponserte Empfehlungen) anfühlen. OpenAI versucht, ein eigenes „Premium-Ad-Erlebnis“ zu schaffen, das weniger nach klassischer Werbung aussieht, um die Nutzer nicht zu vergraulen.

Wenn man Werbung bei Chat GPT schalten will, wird wohl der Weg aktuell sehr wahrscheinlich über Microsoft Advertising führen, da OpenAI (noch) kein komplett eigenständiges Self-Service-Portal für Millionen von Kleinkunden hat. Die Ausspielung und das Design der Anzeigen werden jedoch exklusiv von OpenAI kontrolliert, um die Qualität des Chats zu wahren.

 

Welche Auswirkungen hat das auf die Reisebranche und Hotels?

Da Reiseplanungen oft komplex sind, ist dies ein idealer Bereich für KI-Ads.

  • Partner: Zunächst – wie immer – große Buchungsportale wie Expedia oder Booking.com, insbesondere da Provisionsmodelle mit wenigen Playern einfacher umsetzbar sind.
  • Szenario: Du planst einen Wochenendtripp nach Berlin. ChatGPT schlägt dir Hotels oder Touren vor, die als „Sponsored“ markiert sind, aber genau zu deinem Budget, Standort und Hotelwünschen passen.

 

Welche Werbeformen wird es in Chat-GPT geben?

In den aktuellen US-Tests (Stand Januar 2026) kristallisiert sich heraus, dass OpenAI völlig neue Wege geht, um klassische, nervige Werbung zu vermeiden und stattdessen auf „Native AI Ads“ zu setzen.Hier sind die Formate, die gerade am intensivsten getestet werden:

  • Sponsored Recommendations (Der Standard)
    Dies ist das häufigste Format. Es erscheint nicht während die KI schreibt, sondern als separater Block direkt unter der Antwort.Beispiel: Du fragst nach den besten Laufschuhen für Marathons. ChatGPT gibt dir eine neutrale Antwort. Darunter erscheint ein Feld: „Passend dazu: Entdecke die neue Cloud-Serie von On (Gesponsert)“.Interaktivität: Das Besondere ist, dass du die Anzeige nicht nur anklicken, sondern befragen kannst. Du kannst tippen: „Gibt es die auch in Blau?“ und der Werbe-Slot antwortet dir direkt.

 

  • Search Carousels (Produkt-Slider)
    Besonders bei Shopping-Anfragen (z. B. „Kaffeemaschinen unter 200€“) testet OpenAI horizontale Karussells.Ähnlich wie bei Google Shopping siehst du Bilder, Preise und Bewertungen von verschiedenen Händlern. • Diese sind klar als „Sponsored“ markiert, wirken aber wie eine hilfreiche Ergänzung zur textbasierten Antwort.

 

  • Brand Agents
    (Der „Nike-Coach“-Ansatz)Das ist das wohl spannendste und exklusivste Format. Statt eines Links schlägt ChatGPT dir vor, mit einem spezialisierten KI-Agenten einer Marke zu sprechen.Konzept: Wenn du nach einem Trainingsplan fragst, erscheint der Hinweis: „Möchtest du mit dem Nike Running Coach planen? (Gesponsert)“. Klickst du darauf, öffnet sich ein temporärer Chat mit einem von der Marke trainierten Experten-Bot, der tiefes Fachwissen über deren Produkte hat.

 

  • Affiliate & Commerce Integration
    OpenAI experimentiert mit einem Modell, bei dem die KI nicht für die Einblendung bezahlt wird, sondern eine Provision erhält, wenn du direkt im Chat etwas kaufst.Hierfür wurde die Partnerschaft mit PayPal vertieft, um einen „Instant Checkout“ zu ermöglichen, ohne die ChatGPT-App verlassen zu müssen. Das „Provisons-Sharing“ wird vermutlich auch im Reisebereich zuächst die dominate Rolle spielen.

 

Was bedeutet das für die Nutzer?

OpenAI versucht krampfhaft, dass „Google-Problem“ zu vermeiden. Bei Google sind die ersten Ergebnisse oft nur noch Werbung, was die Qualität verschlechtert. OpenAI verspricht:

  • Kein Einfluss auf die Logik: Die KI-Antwort selbst soll objektiv bleiben und nicht denjenigen bevorzugen, der am meisten bezahlt.
  • Opt-Out: In den US-Tests können Nutzer (auch in der Free-Version) die Personalisierung von Werbung in den Einstellungen einschränken.
  • Jugendschutz: Nutzer unter 18 Jahren sehen in den aktuellen Tests generell keine Werbung.

 

Keine Anzeigen bei sensiblen Themen: OpenAI zieht rote Linien“

Um das Vertrauen der Nutzer nicht zu gefährden, hat OpenAI strikte ‚werbefreie Zonen‘ definiert. Bei Anfragen zu den Themen Gesundheit, Medizin, Politik oder psychologische Beratung soll der Chat grundsätzlich werbefrei bleiben. Damit will das Unternehmen verhindern, dass kommerzielle Interessen die Objektivität der KI bei lebenswichtigen oder gesellschaftlich sensiblen Fragen beeinflussen.

Zudem richtet sich die Werbung ausschließlich an volljährige Nutzer wie oben erwähnt und das soll wohl auch in der Praxis so bleiben; Konten von Minderjährigen bleiben von den Einblendungen damit komplett „verschont“.

 

Welche Auswirkungen hat das auf die anderen Player am Markt, insbesondere Gemini?

Mit der Einführung von Werbung bei ChatGPT (OpenAI) geraten auch die anderen großen Player unter Zugzwang. Die Branche wandelt sich gerade von „Wachstum um jeden Preis“ hin zu „Profitabilität“. Hier ist der aktuelle Vergleich für das Jahr 2026:

Google Gemini: Die „Abwarte-Taktik“

Google befindet sich in einem Dilemma. Einerseits verdienen sie fast ihr gesamtes Geld mit Werbung, andererseits ist die Gemini-App bisher ihr „Premium-Aushängeschild“ ohne Anzeigen. Google wird das vermutlich so lange wie möglich so belassen, da die wirtschaftliche Notwendigkeit noch nicht besteht.• Der Stand: Google-Manager (wie Dan Taylor und DeepMind-Chef Demis Hassabis) betonten erst im Januar 2026, dass es aktuell keine Pläne für klassische Werbung in der Gemini-App gibt.

  • Die Strategie: Google setzt Werbung dort ein, wo sie „natürlich“ hingehört: in der KI-Suche (AI Overviews). Wenn du also über die normale Google-Suche eine KI-Antwort erhältst, sind dort Anzeigen integriert. Die separate Gemini-App bleibt (noch) werbefrei, auch um Nutzer von ChatGPT wegzulocken.
  • Auswirkung durch ChatGPT: Da OpenAI nun vorprescht, wird erwartet, dass Google noch 2026 nachzieht – wahrscheinlich zuerst mit „Shopping-Ads“ innerhalb von Gemini, wenn Nutzer nach Kaufberatung fragen.

 

Perplexity AI: Der Vorreiter

Perplexity ist OpenAI und Google bei der Werbung sogar einen Schritt voraus. Da sie sich als „Antwort-Maschine“ (statt Chatbot) verstehen, ist ihr Modell viel näher an der klassischen Suche.

  • Der Stand: Perplexity hat bereits Ende 2025 ein offizielles Werbeformat eingeführt: „Sponsored Follow-up Questions“.
  • So funktioniert es: Unter einer Antwort schlägt dir die KI passende Anschlussfragen vor. Diese Fragen (z.B. „Wo kann ich dieses Produkt günstig kaufen?“) werden von Marken gesponsert. Wenn du darauf klickst, erhältst du eine KI-Antwort, die Produkte des Werbepartners hervorhebt.
  • Besonderheit: Perplexity teilt die Werbeeinnahmen mit den Verlagen (Publishern), deren Inhalte die KI für die Antwort genutzt hat. Das sorgt für weniger rechtlichen Ärger als bei OpenAI.

Die Ära der komplett kostenlosen und werbefreien High-End-KI geht 2026 zu Ende. Wenn du zukünftig keine Werbung willst musst du entweder bei Google Gemini bleiben (solange sie noch länger damit warten als OPEN AI)  oder ein kostenprlfichtige bzw. teures Abo (Plus/Pro) abschließen.

 

Quellen:

 

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Kategorien: Bing Ads, Google Ads, KI / GEO
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